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    Ist der Duftbaum im Auto wirklich harmlos? Das sagen Fachmeinungen und Ökotests!

    Seit Jahrzehnten hängt er am Rückspiegel. Seit Jahrzehnten warnen Ärzte vor ihm. Was in einem Papp-Duftbaum steckt — und warum der geschlossene Fahrzeuginnenraum das Problem potenziert.

Über 70 Jahre ist er alt, der Papp-Duftbaum. Erfunden 1952 in den USA, heute in fast jedem zweiten Auto Europas anzutreffen. Er kostet wenige Euro, riecht nach Kiefer oder Vanille — und steht seit Jahrzehnten im Fokus medizinischer Warnungen, die kaum jemand zur Kenntnis nimmt.

Die Frage ist nicht, ob Duftbäume schädliche Inhaltsstoffe enthalten. Die Frage ist, in welcher Konzentration sie sich im geschlossenen Fahrzeuginnenraum anreichern — und was das für den Körper bedeutet.

Was steckt in einem Papp-Duftbaum?

Ein Papp-Duftbaum besteht aus einem saugfähigen Karton, der mit konzentrierten synthetischen Duftstoffen und Hilfsstoffen getränkt ist. Die Kunststoffhülle, in der er geliefert wird, soll das unkontrollierte Verdampfen verzögern — weshalb auf der Verpackung steht, die Folie nur teilweise zu entfernen. In der Praxis ignoriert das die Mehrheit der Käufer.

Das eigentliche Problem liegt jedoch nicht nur in der falschen Handhabung. Auch bei korrekter Nutzung warnt der Berufsverband Deutscher HNO-Ärzte regelmäßig vor karzinogenen Inhaltsstoffen. Und Produkttests des Magazins Öko-Test ergaben, dass die meisten untersuchten Duftbäume fünf- bis zwanzigmal mehr flüchtige organische Verbindungen in die Umgebungsluft abgeben, als dies vom Umweltbundesamt für Innenräume empfohlen wird.

Die problematischen Inhaltsstoffe im Überblick

VOCs — Flüchtige organische Verbindungen

Verdampfen bei Raumtemperatur direkt in die Atemluft. Verbunden mit Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen, Asthma und erhöhtem Krebsrisiko bei Langzeitexposition. Viele VOCs sind geruchlos — man bemerkt sie nicht.

Phthalate — Weichmacher

Werden als Trägerstoffe für Duftstoffe eingesetzt. Stehen im Verdacht, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen. Hormonell wirksam — besonders problematisch für Kinder und Schwangere.

Formaldehyd

Vom IARC als krebserregend für den Menschen eingestuft. Verursacht Schleimhautreizungen, Atemwegsbeschwerden und ist mit Kehlkopf- und Nasenkrebs verbunden.

Naphthalin

In Laborstudien mit Lungenkrebs und Gewebeschäden verbunden. In vielen günstigen Lufterfrischern nachgewiesen. Besonders problematisch bei Langzeitexposition im geschlossenen Fahrzeug.

"Die meisten Bäume geben fünf bis zwanzig Mal mehr Duftstoffe an die Innenraumluft ab, als das Umweltbundesamt für geschlossene Räume empfiehlt. Manche Einweg-Lufterfrischer enthalten Weichmacher, die im Verdacht stehen, Nieren, Leber und Fortpflanzungsorgane zu schädigen."

Umweltbundesamt Deutschland

 
 
 
 

Das besondere Risiko im geschlossenen Fahrzeuginnenraum

Ein normales Wohnzimmer hat 50 bis 80 Kubikmeter Luftvolumen. Ein Pkw-Innenraum hat rund 2,5 Kubikmeter. Dieselbe Menge Schadstoffe konzentriert sich also in einem Volumen, das bis zu 30-mal kleiner ist. Dazu kommt: Im Sommer erreichen geparkte Fahrzeuge Innentemperaturen von 60 bis 70 Grad — synthetische Duftstoffe verdampfen bei Hitze unkontrolliert und in deutlich höherer Konzentration.

Das Ergebnis: Wer täglich mit einem Papp-Duftbaum im Auto fährt, setzt sich einer Dauerexposition aus, die in keinem anderen alltäglichen Lebensbereich so konzentriert vorkommt.

"Häufig werden die Hinweise auf der Verpackung ignoriert und die Kunststofffolie gleich zu Beginn vollständig entfernt. So gelangen innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Duftstoffen in den Innenraum des Fahrzeuges, was zu Kopfschmerzen, in schlimmeren Fällen zu Bluthochdruck, Schleimhautreizungen oder Asthma führen kann."

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Das unterschätzte Risiko für Raucher

Für Raucher, die im Auto qualmen, potenziert sich das Risiko erheblich. Duftbäume können das Krebsrisiko insbesondere von Rauchern mehrfach erhöhen, warnen Experten der Deutschen Lungenstiftung unter Berufung auf eine Untersuchung, die im Magazin Öko-Test veröffentlicht wurde.

Warnung — Deutscher Berufsverband der HNO-Ärzte
„Ein Raucher multipliziert geradezu das Risiko, wenn er im Auto qualmt und gleichzeitig einen Duftbaum am Rückspiegel befestigt hat", erklärte der Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands der HNO-Ärzte, Michael Jaumann. Die Duftchemikalien bewirken, dass sich die Inhaltsstoffe des Zigarettenrauchs mit Feinstaubpartikeln aus der Luft verbinden, im Körper ablagern und die Zellen schädigen.

Zusammen mit den Gasen eines Duftbaumes können Mischungen entstehen, die um ein Vielfaches krebserregender sind, als es Zigarettenrauch ohnehin bereits ist. Der Mechanismus: Feinstaub-Partikel verbinden sich mit den Duftchemikalien zu einer organischen Verbindung, die sich tief in der Lunge ablagert — schwerer auszuatmen, länger im Körper verbleibend.

Falsche Handhabung als zusätzlicher Risikofaktor

Die Verpackung jedes Duftbaums enthält einen Hinweis, den kaum jemand liest: Die Schutzfolie soll schrittweise und nur teilweise entfernt werden, damit die Duftstoffabgabe kontrolliert bleibt. In der Praxis wird die Folie meist vollständig entfernt — was die Konzentration der freigesetzten Chemikalien im Innenraum innerhalb von Minuten auf das Vielfache des intendierten Niveaus treibt.

Hinzu kommt: Wärme beschleunigt die Verdampfung drastisch. Ein Duftbaum, der im Winter über Wochen gleichmäßig riecht, gibt dieselbe Menge Duftstoffe im Sommer möglicherweise in wenigen Tagen ab — unkontrolliert, in einem aufgeheizten, geschlossenen Fahrzeug.

Wer jedoch nicht auf einen angenehmen Fahrzeuginnenraum verzichten möchte, sollte auf Alternativen setzen, die auf hochwertige Inhaltsstoffe setzen, keinen penetranten Duft erzeugen und den Wirkstoff gleichmäßig und in sehr niedriger Konzentration abgeben — statt das Gehirn beim Einsteigen mit einem Chemikalienschwall zu konfrontieren. Grundsätzlich gilt: Je natürlicher die Inhaltsstoffe, je geringer die Konzentration und je kontrollierter die Abgabe, desto geringer das Risiko.